Selbsterkenntnis durch Spurensicherung

„Selbsterkenntnis durch Spurensicherung: Vom Vergessen und Erinnern“

Kunstprojekte der Q1

Eine alte Weisheit aus Japan besagt: „Erinnerungen tragen unser Leben.“ Dieses Zitat dürfte wohl auch auf die aktuellen Kunstprojekte des Grundkurses Kunst der Jahrgangsstufe Q1 zutreffen. Installationskünstler wie Christian Boltanski, welcher selbst eine akribische „Spurensicherung“ durch seine Werke betreibt, inspirierten die Schülerinnen und Schüler bei der Aufgabe, sich „selbst zu erkennen“ und sich dabei an schon fast vergessene, aber prägende Momente des eigenen Lebens zu erinnern.

Wer bin ich? Erkenne dich selbst!

Die ästhetischen Zugänge zum Ich sind heute auf vielfältigste und unterschiedlichste Weisen gegeben - von der Zeichnung bis zur Performance, von der Videoaufnahme bis zur Spurensicherung. (Kämpf-Jansen)

Die Aufgabenstellung: Konstruktion von Erinnerungen zwischen Realität und Fiktion

"Dokumentieren Sie Erinnerungen durch Gegenstände, Dokumente etc. und finden Sie eine geeignete Präsentationsform (Glasbehälter, Koffer etc). Ihre Spurensicherung muss transportfähig sein. Recherchieren Sie in ihrer Vergangenheit, auf dem Dachboden in versteckten Kisten etc. und verarbeiten Sie mögliche Fundstücke/ Erinnerungen in ihrer Arbeit.

Begleitend zu Ihrer Arbeit legen Sie ein Werkprozessbuch an, in dem Sie Ihre Ideen, Skizzen, Fotos etc. festhalten, beobachten und reflektieren."

Es ist Kunst, sich selbst zu erkennen!

Hoch- und Tiefpunkte des Lebens kennt wohl jeder Mensch. Daher ist es wichtig, die bedeutsamsten und bewegendsten Lebensmomente nicht einfach zu vergessen. Umso älter wir werden, umso eher vergessen wir oftmals das, was uns ein Stück weit selbst ausmacht und gewissermaßen geprägt hat, ob positiv oder negativ. Es kann aber auch Erinnerungen geben, die man mit vielen anderen Menschen teilt, weil durch ähnliche Erfahrungen ein gemeinsames Wissen, ein „kollektives Gedächtnis“, entstanden ist. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich zunächst einmal auf die Suche nach einem Thema begeben, wobei sie sich zwischen der Darstellung eines eigenen Lebensandenkens oder einer gemeinsamen Erinnerung entscheiden sollten. Die eigentliche Arbeit bestand darin, die Spurensicherung durch geeignetes Material und in einer anschaulichen Weise zu präsentieren. Das Werksprozessbuch soll dabei die Arbeit unterstützen und genauere Auskünfte über das fertige Produkt, den Arbeitsprozess und Intention des „Künstlers“ geben.

Jana Kirschner: "Durch falsche Ideale das Leben vergessen"
Jana Kirschner: "Durch falsche Ideale das Leben vergessen"

Spannende Einblicke durch Erinnerungen

Den Schülerinnen und Schülern mangelte es nicht an originellen Einfällen! Mit viel Mühe und Ideenreichtum haben sie Projekte erschaffen, die wohl nicht nur bei Kunstkennern Interesse erwecken. Projekte unterschiedlichster Art bringen jeden Betrachter zum Staunen, wobei die Frage nach der Intention mit Sicherheit nicht immer eindeutig zu klären ist. Oftmals wird schlichtweg an die eigene Fantasie appelliert!

Text: Jana Kirschner und Frau Henne

Beschreibung und Bilder von ausgewählten Kunstprojekten (Kurzfassungen)

Jana Kirschner: „Durch falsche Ideale das Leben vergessen - Zu dünn um wahr zu sein

Mein Projekt soll Kritik an der Gesellschaft ausüben, die falsche Impressionen über Schönheit erzeugt und an verkehrte Vorstellungen von einer perfektionierten Äußerlichkeit appelliert. In Sendungen wie "Germany's Next Topmodel" werden junge Menschen auf ihr Äußeres reduziert. Solche Sendungen wirken auf viele Jugendliche: Sie bilden sich ein, man könne nur erfolgreich sein, wenn man einem gewissen Ideal entspreche. Dabei vergessen die meisten Menschen, dass Schönheit weitaus mehr ist, als es ihnen in vorgelebt wird. Doch genau nach diesem Prinzip ist auch die Barbie entwickelt worden: unnatürlich große Augen und Lippen, perfekt geschminkt und traumhaft schöne Haare. Mädchen, die damit aufwachsen, haben es nicht leicht, sich von solchen mal stereotypen Schönheitsidealen nicht beeinflussen zu lassen. Dabei sind es die inneren Werte, die jemanden sympathisch oder attraktiv erscheinen lassen. (Jana Kirschner)

Anastasia Scherer: "Die Todesstrafe - Wann wird unser letztes Stündlein schlagen?"
Anastasia Scherer: "Die Todesstrafe - Wann wird unser letztes Stündlein schlagen?"

Anastasia Scherer: „Die Todesstrafe - Wann wird unser letztes Stündlein schlagen?“

Meine Intention ist, ein Problem darzustellen, das schon in der Vergangenheit von Bedeutung gewesen ist und welches die Menschheit verändert hat. Es geht um Krieg und Zerstörung. Dies ist ein Problem, welches immer noch aktuell ist, denn es gibt immer noch so viel Gewalt und Hass auf der Welt. Die Zeit (Uhr) läuft immer weiter und es gibt immer wieder derartige Konflikte. Die Bevölkerung muss dabei leiden, denn Krieg bedeutet Tod. Der Verlust wird anhand des Blutes dargestellt. Da Kohle normalerweise zur Verbrennung genutzt wird, bedeutet es hier, dass die Welt kurz vor der Verbrennung und somit vor der Zerstörung steht. Wenn der Berg von Kohle jedoch als Vulkan angesehen wird, dann bedeutet es, dass die Welt aufgeheizt wird und es immer weiter brodelt im Vulkan. Somit ist die Welt in Gefahr, weil die Explosion unvorhersehbar ist. Diese wird zu einer Katastrophe mit vielen Verlusten führen. Eine zerstörte Welt. Das würde unsere „Todesstrafe“ sein, wenn unser letztes Stündlein geschlagen hat, da die Menschen sich gegenseitig bekämpfen und somit blutige Kriege führen, die eine Gefahr für die Menschheit darstellen. (Anastasia Scherer)

Sydney Balkenhol: "Die Zeit anhalten"
Sydney Balkenhol: "Die Zeit anhalten"

Sydney Balkenhol: „Die Zeit anhalten“

Ich möchte mit meinem Projekt einen Moment aus meiner Kindheit darstellen, welchen ich sehr schön fand. Diesen habe ich so dargestellt, dass er wie eingefroren wirkt, es soll die Zeit symbolisieren, die das Mädchen versucht festzuhalten, indem sie mit der Hand die Zeiger der Uhr festhält. Es soll insgesamt den Wunsch darstellen, die schönen Momente im Leben festhalten zu wollen. (Sydney Balkenhol)

Anonym: „Zersplitterte Träume“

Meine Arbeit soll zeigen, dass Träume vergänglich sind und dass es oft die Zeit ist, die einem bei der Umsetzung der Träume im Weg steht. Die Zeit läuft oft "gegen" uns und lässt sich nicht zurück drehen. Genauso lassen sich Schicksalsschläge bzw. negative Erfahrungen in der Vergangenheit nicht rückgängig machen. (Anonym)

Lena Bremer: „Erinnerungen“

Mein Projekt soll den Betrachter schon auf den ersten Blick an die eigene Schulzeit erinnern, da ich Bücher direkt mit der Schule verbinde. Schlägt man das Buch auf, entfalten sich durch abgenutzte und für Schule typische Gegenstände weitere Erinnerungen.
Somit bringt das Buch für jeden die individuelle Erinnerung an einen wichtigen Lebensabschnitt. (Lena Bremer)

Lisa Schmitz: "Ein Tag am Meer"
Lisa Schmitz: "Ein Tag am Meer"

Lisa Schmitz: „Ein Tag am Meer“

Inspiriert wurde meine Arbeit zum Thema ,Konstruktion von Erinnerungen zwischen Realität und Fiktion' von einer persönlichen Erinnerung aus meiner Kindheit - einem Tag am Meer, der für mich goldene Momente enthielt.  Dabei sollten die verwendeten Gegenstände diese dokumentieren, denn sie erzählen die Geschichte eines kleinen Mädchens, deren Großeltern mit ihr, um sie vom Krankenhausaufenthalt ihres geliebten Zwillings abzulenken, an den Strand gefahren sind.  Dort erlebt sie einige Stunden der Ruhe und Unbeschwertheit, welche gekrönt werden von der unerwarteten Nachricht, dass die Schwester die Operation in der Klinik gut überstanden habe. (Lisa Schmitz)

Leonie Schmitz: „Erinnerungen aus der Kindheit“

Inspiration für meine Erinnerungskonstruktion fand ich in einem für mich prägenden Krankenhausaufenthalt während meiner Kindheit. Denn entgegen allgemeiner Vorstellungen verbinde ich heute fast ausschließlich nur positive Momente mit dieser Zeit.  Somit möchte ich mit meiner Installation vor allem ausdrücken,  dass man Dinge auf sich zukommen lassen und sich erst im Anschluss daran ein Bild davon machen sollte. (Leonie Schmitz)

Jennifer Neues: „Labyrinth des Lebens“

Die Intention ist, dass man sich sein Leben selbst baut, bzw. darauf Einfluss hat und dass es verschiedene Wege gibt, die zum „Ziel“ führen. (Jennifer Neues)

Bildergalerie

Jenny Fischer: „Das zerbrochene Ich - Ein Geheimnis hinterlässt Spuren“

Es war mein Ziel, die Darstellung der Angst vor sich selbst und der Verzweiflung vor den Erwartungen der Gesellschaft darzustellen. Die Angst der Jugendlichen sich selbst so zu akzeptieren wie man ist, sollte durch das Tagebuch symbolisiert werden. Das Tagebuch als Rückzugsort aber auch als Gefängnis der Gefühle und der Gedanken zeigt, dass die Geheimnisse der Person so eingeschlossen sind, dass sie nicht befreit werden können und es gibt nur einen kleinen Ausweg. Die zerbrochenen Scheiben symbolisieren die Spuren, die durch das Bewahren von Geheimnissen entstehen können. (Jenny Fischer)