Gewässerproben

Umweltschutz & Co am Gymnasium Schwertstraße

Warum Nachhaltigkeit uns wichtig ist

"Geh zu Fuß! Mach das Licht aus! Wirf keine Lebensmittel weg!" – Jeder kennt solche Verhaltensregeln, wenn es um Umweltschutz und Nachhaltigkeit geht. Doch die Wirkung dieser Ermahnungen ist zweifelhaft; der erhobene Zeigefinger getreu dem Motto "Du darfst das nicht!" scheint wenig Wirkung zu haben, sobald der Ermahnende aus dem Sichtfeld verschwindet. Aus diesem Grund hat sich das Gymnasium Schwertstraße als Ziel gesetzt, die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz möglichst ohne den erhobenen Zeigefinger in das alltägliche Schulleben zu integrieren.

Alles begann mit einem Biotop

Das Gymnasium Schwertstraße ist inzwischen seit über 30 Jahren im Umweltschutz aktiv. Viele engagierte Kollegen und Kolleginnen haben seit den 1980er Jahren Naturschutz-Projekte durchgeführt, Arbeitsgemeinschaften zur Ressourcenschonung angeboten und das Schulleben mit Kompostierlösungen, Mülltrennung oder Energiewächtern bereichert. Im Laufe der Jahre hat sich das Engagement im Umweltschutz schrittweise diversifiziert und zu einer stärkeren Schülerorientierung hin entwickelt.

In den 1980er Jahren entstand mit städtischer Unterstützung ein Naturgarten, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln für unsere Schülerinnen und Schüler gut zu erreichen ist. Hier wurden Teiche angelegt, Rasen zu Wildwiesen umgewandelt und Bienenvölker angesiedelt; nach und nach entstand so ein Biotop für heimische Tier- und Pflanzenarten. In den 1990er Jahren lag der Fokus auf Mülltrennung und Kompostierungsmethoden; eine schuleigene Müll-AG übernahm die Kompostierung und besuchte im Rahmen der AG u.A. Müllverbrennungsanlage, ein Klär- und ein Wasserwerk. Zudem wurde schon zu diesem Zeitpunkt eine Photovoltaikanlage auf dem Schuldach installiert.

Gewässeranalyse
Schülerinnen der 6e werten die Ergebnisse der Gewässergüte eines nahen Baches aus. Foto: O. Hartwig

Mit der Jahrtausendwende entwickelte sich auch das Umweltschutzkonzept weiter. Durch das Fifty-Fifty-Energiesparprojekt der Stadt Solingen standen nun Einsparungen von Strom, Wasser und Heizenergie im Mittelpunkt. Zusammen mit Hinweisschildern an jeder Heizung, beschrifteten Lichtschaltern und Klimateams in den unteren Jahrgangsstufen sowie der baulichen Veränderung einer Lüftungsanlage konnten beispielsweise 2012 über 46.000 kWh elektrische Energie eingespart und die Energiekosten um über 7.700 Euro gesenkt werden. In Gesprächen mit den Schülerinnen und Schülern zeigt sich, dass die finanzielle Belohnung für das Energiesparen aber nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Schülerinnen und Schüler geben als Begründung für ihre Bemühungen fast ausschließlich intrinsisch motivierte Gründe an, zum Beispiel weil Umweltschutz einfach "richtig" sei.

Heutzutage ist das Umweltschutzkonzept geprägt von noch stärker schülerorientierten Ansätzen, die auf Freiwilligkeit, Praxisorientierung und Diversität beruhen. Hierzu gehören eine Biotop-AG, eine Umwelt-AG, eine jährliche Bio-Koch-Woche und Aktionstage zur Nachhaltigkeit. Auch die Entdecker-Profilklassen in der Unterstufe tragen zum Verständnis der Notwendigkeit von Natur- und Umweltschutz bei – projektartig und losgelöst vom Regelunterricht. Obwohl alle Projekte, Arbeitsgemeinschaften und Aktionstage auf eigenem Antrieb der Schülerinnen und Schüler beruhen – eben ohne den mahnenden Zeigefinger –, ist die Motivation der Schulgemeinschaft zum Umweltschutz nach wie vor hoch.

Bio-Koch-Woche
Türkische Pizza bei der Koch-Woche mal anders - vegetarisch und bio! Foto: A. Barthel

Seit über drei Jahrzehnten ist es ein Anliegen der Schulgemeinde, sich im Umwelt- und Klimaschutz zu engagieren. Im November 2010 verabschiedete die Schulkonferenz dann schließlich den entsprechenden Grundsatz, dass "Schülerinnen und Schüler zu umweltgerechtem Verhalten und zu einer gesundheitsbewussten Lebensführung" angeleitet werden (6. Grundsatz). Durch diesen Leitgedanken ist das Bestreben nach mehr nachhaltigem Handeln nun für alle Schulmitglieder verbindlich im Schulprogramm verankert.

Trotz beengter Lage in der Stadt werden Naturerfahrungen ermöglicht

Obwohl durch die beengte Situation als Innenstadtschule kein eigener grüner Schulhof zur Verfügung steht, besteht durch die vielen Naturschutzgebiete in Solingen die Möglichkeit, Aktivitäten in der Natur durchzuführen. So sind 8,6 % des gesamten Solinger Stadtgebietes als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Exkursionen in die Ohligser Heide oder an die Wupper führen den Schülerinnen und Schülern eindrucksvoll vor Augen, welche Artenvielfalt sich entwickelt, wenn menschliche Einflüsse auf ein Minimum reduziert werden. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln so ein persönliches Interesse, sich für den Umwelt- und Naturschutz aktiv einzusetzen. Nur wer die Bedeutung und die Anmut der Natur kennt, ist auch bereit, sie zu (be)schützen.

Entdeckerklassen
Berührungsängste verlieren und die heimische Natur kennen lernen - denn nur was man kennt, schätzt man auch. Foto: A. Barthel

Die 2013 mit dem Energiepreis European Energy Award® ausgezeichnete Stadt Solingen fördert solche Exkursionen mit organisatorischen und teils auch personellen Ressourcen. Auch war die Stadt Solingen ein wichtiger Kooperationspartner bei der Umsetzung der Landeskampagne "Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit". Die Kampagne "Schule der Zukunft" wird vom Schulministerium und dem Umweltministerium gemeinsam getragen und von der Natur- und Umweltschutzakademie des Landes Nordrhein-Westfalen (NUA) koordiniert. Durch den Austausch mit anderen Schulen und Kooperationspartnern der Stadt, aber auch durch Fortbildungen und Veranstaltungen der NUA erhielten wir neue Impulse für unsere Arbeit.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit werden innerhalb und außerhalb des Unterrichts gelehrt und gelebt

Die drei Fachschaften Biologie, Erdkunde und Physik sind Nachhaltigkeitsvorreiter an unserer Schule: In allen drei Fächern wird – fast immer über das durch die Kernlehrpläne geforderte Minimum hinaus – Nachhaltigkeit thematisiert: In Biologie werden zum Beispiel in der Mittelstufe Waldabschnitte aus der Umgebung kartiert und die Ergebnisse in Bezug auf die Artenvielfalt und die Gesundheit des Biotops ausgewertet. In Physik dagegen spielt beispielsweise das Schwerpunktthema "Energie und Verkehr" in den Jahrgangsstufen 8 bis EF eine erweiterte Rolle.

Im Schuljahr 2012/2013 wurden "Entdeckerklassen" in den fünften bis siebten Jahrgangsstufen eingerichtet. In diesen Klassen steht das gemeinsame Entdecken und Erforschen der "Naturelemente" Erde, Feuer, Wasser und Luft im Vordergrund. An vier bis fünf Nachmittagen pro Halbjahr erfahren die Schülerinnen und Schüler hautnah, wie man Tierspuren im Wald liest, wie Feuer entsteht oder warum Wasser eine kostbare Ressource ist. Die Entdeckerklassen-Schülerin Olivia Schamscha, 11, findet gut, dass "am Gymnasium Schwertstraße Vieles mit der Natur verbunden ist". Dies ist besonders erfreulich, da trotz unseres Standortes die ermöglichten Naturerfahrungen anscheinend Wirkung zeigen.

Aktionstag zur Nachhaltigkeit

Aktionstag
Eine Schülerin informiert über die Haltung von Legehennen am Aktionstag zur Nachhaltigkeit. Foto: R. Barthel

Die unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Aktivitäten werden seit vier Jahren einmal jährlich beim "Aktionstag zur Nachhaltigkeit" präsentiert. Es hat sich als effektiv erwiesen, auf ein Kernteam aus zehn bis zwölf Schülerinnen und Schülern zurückgreifen zu können, die mit viel Engagement andere Schülerinnen und Schüler zum nachhaltigen Handeln ermuntern. Ziel dieses Aktionstages ist es, ein positives Gefühl für Nachhaltigkeit zu entwickeln und dies der gesamten Schulgemeinde sowie der Öffentlichkeit zu zeigen. Jedes Jahr steht ein anderes Thema im Mittelpunkt. Für 2015 ist der Schwerpunkt "Luftverschmutzung" beim Aktionstag geplant. Hier wird an Mitmach-Ständen beispielsweise über globale Gerechtigkeit diskutiert, da schädliche Gase und Feinstaub sich nicht lokal begrenzen lassen und unser Verhalten andere Menschen auf anderen Kontinenten maßgeblich beeinflusst.

Für die nächsten Jahre stehen als Alternativen ein sozialwissenschaftlicher Schwerpunkt ("Nachhaltigkeit als gesellschaftliche Notwendigkeit") oder ein geographischer Schwerpunkt ("Bedeutung des Klimawandels für das Leben der Menschen weltweit") zur Auswahl. Aber auch ein mathematischer Schwerpunkt wie "Klimamodelle und Energiebilanzen verstehen" ist zukünftig denkbar. Durch die wechselnden Themen werden immer wieder neue Teilnehmergruppen angesprochen und den langjährig engagierten Schülerinnen und Schülern erschließen sich stets neue Themenfelder.

Auch ohne den mahnenden Zeigefinger viel erreicht – gemeinsam geht's weiter

Nach über drei Jahrzehnten an intensiver Arbeit können wir festhalten, dass das Umweltschutzkonzept fest im Schulleben verankert ist. Es bieten sich immer mehr Schüler-, Eltern- und Lehrer-Hände an, die sich bereitwillig und mit kreativen Ideen einbringen möchten. Gerade laufen Vorbereitungen für die Installation von Hochbeeten mit Wildblumen auf dem Schulgelände und auch die Ansiedlung eines Bienenvolkes auf dem Lehrerparkplatz ist in Planung. Wir sind davon überzeugt, dass ein intrinsisch motivierter Zugang zum Naturschutz den Vorteil hat, dass klimafreundlich gelebt wird, auch wenn eine Kontrollinstanz fehlt. Und spontane Vorschläge von Schülerinnen und Schülern, wie "Mache mal bitte jemand das Licht aus, es ist hell genug", hören wir gern – und immer öfter.

Autorenteam

StR Dr. Anselm Knebusch
StR' Annika Barthel