Empfang von Herrn Blasberg auf dem Schulhof

Eine Ära geht zu Ende: Verabschiedung unseres Schulleiters Klaus Blasberg

41 Jahre Arbeit als Lehrer, davon 24 Jahre als Schulleiter unseres Gymnasiums – Klaus Blasberg kennt das System Schule so gut wie kein anderer. Mit 65 Jahren ist es nun an der Zeit, dass er seinen Traumjob – Schulleiter am Gymnasium Schwertstraße zu sein – einem anderen überlassen muss bzw. darf.

An den Feierlichkeiten am 1. Juni 2016 nahmen über 200 Personen aus dem privaten und beruflichen Umfeld Blasbergs teil. Nicht nur seine Familie und Angehörige der Schulgemeinde, auch zahlreiche Vertreter des gesellschaftlichen und politischen Lebens in Solingen nahmen an der bewegenden Feier teil.

Zunächst ergriff der Oberbürgermeister Tim Kurzbach das Wort. Er würdigte besonders den umfassenden Bildungsbegriff Blasbergs im humboldtschen Sinne. "Bildung ist weit mehr als die Schüler fit für etwas machen!", konstatierte Kurzbach und kritisierte die Überlegungen, Unterrichtsinhalte immer nur nach ihrer "Employability" zu bewerten. Bildung sei mehr, Bildung fordere und fördere die Individualität des Einzelnen. Auch warnte der erste Bürger der Stadt vor dem Auseinanderbrechen Europas und betonte die Gefahr durch Terrorismus. Diesen riesigen Herausforderungen müsse sich auch die Stadt Solingen stellen. Für seine Heimatstadt hat sich auch Klaus Blasberg stets eingesetzt mit "Esprit und Charisma". Blasberg sei ein Mentor für die Stadt Solingen geworden.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach
Oberbürgermeister Tim Kurzbach

Klaus Blasbergs Werdegang ist ein heute eher untypischer: Nach seiner mittleren Reife an der Theodor-Heuss-Realschule (Kurzbach merkte hier an: "Dies zeigt: Auch aus Realschülern kann etwas werden!") machte er sein Abitur und arbeitete dann als Lehrer u.a. am Gymnasium Vogelsang und löste 1992 Günter Kosub als Schulleiter des Gymnasiums Schwertstraße ab. Kurzbach lobte den "selbstbewusstesten Schulleiter der Stadt", der für seine Arbeit bekannt und berüchtigt sei. Viel habe er für die Schule erreicht: Die Einführung des bilingualen Zweiges 1998, das Siegel der selbstständigen Schule von 2002 bis 2008, die Etablierung der Fächer Medienkunde und Naturwissenschaften in der Unterstufe.

Der Oberbürgermeister erzählte zum Schluss noch folgende Anekdote, die zeigt, wie selbstbewusst und offen Blasberg seine Schule führte: Als ehemalige Schüler ihm den Vorschlag entgegenbrachten, das Gymnasium Schwertstraße umzubenennen, meinte Klaus Blasberg lapidar: "Die sollen sich ihre eigene Schule bauen; die können sie dann nennen, wie sie wollen!"

Ehrenpräsidentschaft des Sprecherrates der Solinger Schulen

Peter Wirtz vom Sprecherrat der Solinger Schulen
Peter Wirtz vom Sprecherrat der Solinger Schulen

Für den Sprecherrat der Solinger Schulen stellte sich Peter Wirtz dem Publikum und merkte zunächst an, dass – laut Blasberg – nie so viel gelogen würde wie bei Beerdigungen und Verabschiedungen. Dies werde Wirtz aber so nicht halten und in seiner Rede nicht lügen. Wirtz bezeichnete Blasberg als ehrlich und bescheiden. Als ehrlicher Partner habe er den Hütchenspielern der Bezirksregierung alle benötigten Zahlen hervorgezaubert, um die Ideen, die stets gut für Stadt und Schule waren, umzusetzen.

Als Vorsitzender des Sprecherrates der Solinger Schulen habe Blasberg beispielsweise für die Wilhelm-Hartschen-Schule eine Turnhalle durchgesetzt, den Lernmitteletat reformiert und Richtlinien für die Ausstattung Solinger Schulen mit Neuen Medien erarbeitet. Als "schlagfertig, geistreich und zuverlässig" bezeichnete Wirtz den Schulleiter und ernannte ihn sodann zum Ehrenpräsidenten des Sprecherrates. Peter Wirtz kündigte jetzt schon an, dass Blasberg selbstverständlich zu jedem Treffen des Sprecherrates als Ehrenpräsident eingeladen sei und er seine Fahrradtouren bitte entsprechend planen möge.

Dr. Klaus Krieger überreicht eine "Schule to go"
Dr. Klaus Krieger überreicht eine "Schule to go" - das Gymnasium Schwertstraße im Miniaturformat.

Als Vorsitzender der Schulpflegschaft hatte sich Dr. Klaus Krieger vor Antritt seines Amtes gewünscht, er hätte eine Gebrauchsanweisung für Klaus Blasberg erhalten. Doch auch ohne diese hat die Zusammenarbeit zwischen Schulleitung und Elternpflegschaft sehr gut harmoniert. Nach vier gemeinsamen, intensiven Jahren fühlt es sich für Krieger fast wie eine eingetragene Lebensgemeinschaft an. Bis zuletzt konnte es Dr. Klaus Krieger – und wohl auch viele Angehörige der Festgemeinde – kaum glauben, dass Blasberg die Pensionierung tatsächlich antreten würde. Zuletzt betonte Krieger die eigenmächtigen – pardon: eigenverantwortlichen – Entscheidungen zum Wohl der Schule.

Ehrenwürden der Eltern und ehemaligen Schüler

Alexander Jasse, 1. Vorsitzender des Schulvereins, überreichte zusammen mit Dr. Klaus Krieger eine "Schule to go": Das Gymnasium Schwertstraße im Mini-Format für den blasbergschen Schreibtisch. Zudem erhält Klaus Blasberg einen Ehrenplatz in der Schule: Die Gartenbank im Schulgarten, gestiftet vom Abiturjahrgang 1990, wird zukünftig eine Plakette tragen mit der Aufschrift "Ehrenplatz für Klaus Blasberg – Schulleiter A.D.". Herr Peters, Vorsitzender des Bundes Alter Schüler e.V., überreichte dem "König der Schulleiter" eine Ehrenurkunde und ein Bild des Gymnasiums Schwertstraße, gemalt von einem Solinger Künstler.

Alexander Jasse hat für Herrn Blasberg einen Ehrenplatz auf der Gartenbank im Schulgarten reserviert.
Alexander Jasse hat für Herrn Blasberg einen Ehrenplatz auf der Gartenbank im Schulgarten reserviert.
Ralf Dreock vom Bund Alter Schüler präsentiert ein künstlerisches Abschiedsgeschenk.
Ralf Dreock vom Bund Alter Schüler präsentiert ein künstlerisches Abschiedsgeschenk.

 

Drei Fragen des Stellvertreters

Eine Schule ohne Leitung ist wie ein Schiff ohne Steuermann. Damit unser Gymnasium nicht in gefährliche Fahrwasser gelangt, wird ab August 2016 Ulrich Nachtkamp, derzeitiger stellvertretender Schulleiter, das Ruder übernehmen. Nachtkamp stellte seine Leitfragen vor, die ihn im Rahmen der Verabschiedung von Klaus Blasberg beschäftigten: 1. Wen verabschieden wir? 2. Was hat er getan, welches diese feierliche Verabschiedung rechtfertigt? 3. Wie gedenken wir zu reagieren?

Ulrich Nachtkamp führte zunächst zur Frage, wer denn verabschiedet würde, eine Epidsode aus dem Roman "Der Allesforscher" von Heinrich Steinfest an. Der Protagonist sinniert als Bademeister über sein früheres Leben als Manager: Wie ein Reiter galt es, möglichst viele Hindernisse zu überspringen und bloß nicht die einfache, gerade Strecke auszuwählen. Gab es keine Hindernisse, so wurden flugs welche erbaut, um die Strecke ja nicht zu einfach werden zu lassen. So ähnlich hielt es auch Klaus Blasberg mit dem Gymnasium Schwertstraße: Auch kleinere Hindernisse, die die Bezirks- oder Landesregierung den Schulen auferlegte, wurden aus dem Weg geräumt, noch ehe andere sie als Problem überhaupt wahrgenommen hatten.

Selbstbewusst trägt Herr Blasberg den Ehrendoktorhut mit eingebauter "Klaus-Notaus-Klingel".
Selbstbewusst trägt Herr Blasberg den Ehrendoktorhut mit eingebauter "Klaus-Notaus-Klingel".

Nachtkamp lobte zur Beantwortung der zweiten Frage die Erfolge von Klaus Blasbergs langjähriger Schulleitertätigkeit. Das Gymnasium sei eine Schule voller Qualitäten. Eine liebenswerte Schülerschaft, ein Klima der Gemeinschaft, ein hochkompetentes Kollegium, verlässliche Strukturen und ein rundum selbstbewusstes Gymnasium. Zuletzt überlegte Nachtkamp, welche Reaktionen nun angemessen seien. Angst? Entsetzen? Ratlosigkeit? Nein, schlicht Freude über die geleisteten Erfolge und die vor Blasberg liegende Zeit. Dies krönte Nachtkamp mit der Verleihung des Titels "Schulleiter ehrenhalber" (als Anmerkung an den Lehrerrat fügte Nachtkamp schnell hinzu, dass dieser Titel Blasberg zu nichts berechtige). Ein schön dekorierter Doktorhut mit Miniatur-Schulgebäude, Schulgarten und Pausenhof sowie einer "Klaus-Notaus-Klingel" sorgte für eine gelungene Überraschung. Insbesondere die "Klaus-Notaus-Klingel" mit dem Original-Schulgong dürfte für Blasbergs Familie von großer Bedeutung werden: Die neue "Schulaufsicht" wird es mit dem teils "schwer erziehbaren" Klaus wohl ab und an schwer haben.

Der stellvertretende Schulleiter bedankte sich schließlich noch bei allen Helferinnen und Helfern der Festlichkeiten, insbesondere bei dem Schulorchester mit Franziska Nowak, der Guda-Koster-Gruppe, Liv Grimsehl-Schmitz sowie der Lehrer-Band mit Dr. Christiane Brombach, Alexandra Hankammer und Hans-Walter Nagel.

Verleihung der Urkunde von Schuldezernent Holtschneider

Erst durch die Verleihung der Urkunde durch den Schuldezernenten Stefan Holtschneider wurde Blasbergs Pensionierung offiziell; den Empfang der Urkunde musste der Schulleiter vor Ort noch mit Unterschrift quittieren. Der Schuldezernent würdigte die Leistungen von Klaus Blasberg, insbesondere die jahrzehntelange Arbeit als Lehrer, die Netzwerkbildung und die Arbeit für das Gymnasium Schwertstraße.

Schuldezernet Holtschneider verleiht Herrn Blasberg 3 Sterne im "Guide Michelin für Pädagogik".
Schuldezernet Holtschneider verleiht Herrn Blasberg 3 Sterne im "Guide Michelin für Pädagogik".

Er verlieh ihm den "Guide Michelin für Pädagogik", da Blasberg in allen Qualitätsbereichen exzellente Erfolge zu verzeichnen habe: gleichbleibende Qualität, Innovation, Einzigartigkeit, Kreativität und Harmonie. "Nur über den Punkt Harmonie lässt sich streiten!", schränkte Holtschneider allerdings ein. Neben der Urkunde erhielt Blasberg deshalb ein Schild mit "Guide Michelin für Pädagogik – 3 Sterne" – also die Höchstbewertung. Dieses Schild, so Holtschneider, könne Blasberg bei seinen Fahrradtouren praktischerweise direkt an die Hotelzimmertür kleben.

Resümee des Schulleiters

Zuletzt ergriff der "Anlass" der Feierlichkeiten, Klaus Blasberg, das Wort. Er dankte für das fürsorgliche Begleiten, welches ihm das Abbiegen vom Weg erleichtere. Er freue sich auf mehr Muße, auch wenn ihm das Schulleben fehlen würde. Die Schülerinnen und Schüler, die ihm lächelnd in den Pausen zuwinken, bereichernde Flurbegegnungen, die hohe Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler, die engagierten Eltern, das starke Kollegium.

Von der Krankheit des Grünen Stars und der Wonne eines Schulleiters - eine humorvolle und emotionale Abschiedsrede.
Herr Blasberg hält seine Abschiedsrede.

Trotz dieser positiven Perspektive habe Blasberg jedoch gleichsam wenig Hoffnung auf bessere Zeiten. Er kritisierte, dass sich die Bildungspolitik selbst feiere. Ausdrücklich nahm er alle Schuldezernenten, sechs an der Zahl, mit denen er im Laufe der Jahre zusammenarbeitete, von dieser Kritik aus. Er erlebte sie stets als zuverlässige und faire Partner.

Blasberg fasste kurz seinen Werdegang aus eigener Sicht zusammen. Nach seinem Studium an der Universität Düsseldorf mit dem Schwerpunkt auf mittelalterliche Geschichte bekam er seinen wahren Traumjob: die Schulleitung am Gymnasium Schwertstraße. Immer engagierte er sich auch für Kirche und Politik. "Suchet der Stadt Bestes" – getreu diesem Motto habe er sich eingemischt, auch wenn er nicht zuständig war. "Für die viele tatkräftige Unterstützung meiner Wegbegleiter bin ich unendlich dankbar", so Blasberg und betonte die hervorragende Zusammenarbeit mit seinen drei Stellvertretern: Frau Knoblauch, Herr Lippert und Herr Nachtkamp. Gemeinsam mit diesen ebenbürtigen Partnern habe Blasberg Altes umgekrempelt und Zukunftspläne geschmiedet.

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Zudem danke Blasberg dem Facility Manager Herrn Przybilla und dem Sekretariatsteam – aktuell Frau Reinhard und Frau Kämpf -, die täglich verhindert hätten, dass er unterzuckere. Den Schulpflegschaftsvorsitzenden Herrn Speck und Dr. Klaus Krieger sowie dem Bund Alter Schüler mit Herrn Peters, Herrn Dreock und Frau Couché sprach er ebenfalls herzliche Dankesworte aus. Ohne außerschulische Partner wie der Walbusch-Jugendstiftung und REO wären viele Projekte an der Schule so nicht realisierbar. Auch der Stadtverwaltung, allen voran Hartmut Hoferichter und Ralf Zinsenheim sowie dem Sprecherrat der Solinger Schulen dankte Blasberg herzlich. Bei dem Dank an seine Familie für die jahrelange Unterstützung stockte kurz seine Stimme.

Wenn er seine Arbeit am Gymnasium Schwertstraße mit einem Wort zusammenfassen müsste, so sei es "Wonne – unaussprechliches Glücksempfinden". Klaus Blasberg, unser Schulleiter, verabschiedete sich mit den Worten: "Es war mir eine Wonne, Schulleiter dieser Schule gewesen zu sein".

Lieber Herr Blasberg, uns war es das auch! Danke!

Text: Frau Barthel, Fotos: Herr Müller

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