Christian Wulff

Christian Wulff ermutigt zu gesellschaftlichem Engagement

Am Mittwoch, den 14. November 2018 besuchte Bundespräsident a.D. Christian Wulff das Gymnasium Schwertstraße. Passend zur kürzlich erfolgten Qualifizierung zur Europaschule standen politische und gesellschaftliche Fragen zur Zukunft Deutschlands sowie der Europäischen Union im Mittelpunkt der anderthalbstündigen Veranstaltung.

Wulff, dessen prägender Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" 2010 zu heftigen Debatten geführt hatte und heute noch in vielen Köpfen verankert ist, appellierte an die Schülerinnen und Schüler der Einführungs- und Qualifikationsphase, sich an ge-sellschaftlichen Diskussionen zu beteiligen, sich einzubringen und die Demokratie weder den älteren Generationen vorzubehalten noch den radikalen Kräften auszuliefern. Dies untermauerte er mit dem Beispiel des Brexit-Referendums. Dieses wäre durch die jüngeren Generationen anders entschieden worden, sofern sie von ihrem Recht zur Abstimmung stärker Gebrauch gemacht hätten.

Wulff hob unter Bezug auf seine eigene Biographie hervor, wie stark die Lebensumstände gesellschaftlich und historisch geprägt seien: ein Leben in Frieden, Sicherheit und Wohlstand im Zentrum Europas sei für frühere Generationen ein Wunschtraum gewesen. Insofern solle man Erreichtes würdigen als gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Errungenschaften, die nicht selbstverständlich seien und die es zu verteidigen lohne.

Die Chancen von Offenheit und Pluralität

Dass die Zustimmung zu seiner Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland, in den vergangenen Jahren bei der deutschen Bevölkerung deutlich an Zustimmung verlor, versetze ihn ebenso in Alarmbereitschaft wie die Tendenz zu Populismus und Nati-onalismus innerhalb der EU. Deren Protagonisten blendeten die Chancen von Offenheit und Pluralität viel zu stark aus.

Bildergalerie

Christian Wulff zu Besuch im GSS

Im Anschluss an den Impulsvortrag von Herrn Wulff eröffnete der ehemalige Schülersprecher Rafael Sarlak, welcher den Kontakt zu dem Bundespräsidenten a.D. initiiert hatte, die Diskussionsrunde. Neben Rafael Sarlak und Herrn Schütte nahmen stellvertretend für die drei anwesenden Jahrgangsstufen acht Schülerinnen und Schüler auf der Bühne Platz.

Überwindung des Kulturpessimismus

Wulff stand seinen Gesprächspartnern in einem lebendigen Austausch Rede und Antwort zum Zustand Deutschlands und der europäischen Union, dem dahinterstehenden Gesellschaftswandel sowie zu tagesaktuellen Fragen. In seinen Einschätzungen akzentuierte er besonders die positiven Perspektiven, etwa in der Frage der europäischen Zusammenarbeit und Integration, aber auch in der Vielfalt und Leben-digkeit von Demokratie. Der Überbetonung von Gefährdungen und Herausforderungen, die in den (sozialen) Medien eine oft negative Sicht auf die Dinge erzeuge, müsse mit einer Art von neuer Aufklärung begegnet werden, um einen weit verbreiteten Kulturpessimismus zu überwinden.

Wertschätzend miteinander umgehen!

Die Schülerinnen und Schüler setzten in ihren Fragen vielfältige Akzente, von in-nenpolitischen Entwicklungen über veränderte geopolitische Rahmenbedingungen bis hin zu ganz grundsätzlichen Fragen politischer Partizipation. Der Bundespräsi-dent a.D. appellierte an die junge Generation, angesichts von "Fake-News", "Shitstorms" und eines zuweilen schärfer werdenden Tons in der öffentlichen Debatte besonnen zu bleiben und sich stets gut zu informieren. Vor allem sei es wichtig, demokratisch zu wählen, aber auch wertschätzend miteinander umzugehen. Die aktuelle Schülergeneration könne eine ganz wichtige Rolle einnehmen, wenn es um die Verteidigung und Weiterentwicklung der demokratischen und gesellschaftlichen Er-rungenschaften gehe.

Mit dieser Botschaft hat Herr Wulff sicherlich viele Schülerinnen und Schüler erreicht und nachdenklich gemacht.

Schülerstimmen

Hannah Seifert:

"Meiner Meinung nach war es sehr spannend, mit so einem bekannten deutschen Politiker auf einer Bühne zu sitzen und mit ihm über politisch kontroverse Fragen zu sprechen. Ich war angenehm überrascht über die offene und freundliche Art von Herrn Wulff; er hat alle Fragen detailliert beantwortet und mich bei vielen Themen auch noch einmal zum Nachdenken angeregt.

Karmen Jamaledin:

"Ich fand es toll, dass wir die Gelegenheit hatten, mit einem ehemaligen Bundespräsidenten zu diskutieren und ihm Fragen zu stellen, denn so eine Gelegenheit hat nicht jeder. Es war sehr interessant, seine Meinung zu hören und seine Postion kennenzulernen. Außerdem fand ich die Art, wie er auf unsere Fragen reagiert hat besonders gut und seine Antworten waren auch immer sehr interessant."

Anna Clemens:

"Ich fand die Rede sehr spannend und bin froh, dass wir die Gelegenheit hatten, dem ehemaligen Bundespräsidenten live zuzuhören. Herr Wulff hat die Wichtigkeit von Europa noch einmal verdeutlicht und ist sehr detailliert auf die Fragen der Diskussion eingegangen. Auch hat mir gefallen, dass er dabei mit uns auf Augenhöhe gesprochen und uns ernst genommen hat. Ich hoffe so eine Gesprächsrunde findet in Zukunft erneut statt."

Mit Herrn Wulff in regem Austausch standen, stellvertretend für die drei Jahrgangsstufen: Julia Thiel, Johannes Schüle (EF), Neslihan Erdem, Karmen Jamaledin (Q1) Robin Bischoff, Friederike Hartkopf, Hannah Seifert und Rafael Vrizas (Q2)

Text: Frau Kaufmann, Herr Schütte

Artikel im Solinger Tageblatt

Zu der Gesprächsrunde mit Christian Wulff am 14.11. im Gymnasium Schwertstraße ist ein ausführlicher Artikel im Solinger Tageblatt erschienen. Klicken Sie für nähere Informationen auf den folgenden Link