Sally Perel

Am Dienstag, den 27. November 2018, besuchte der Zeitzeuge Sally Perel das Gymnasium Schwertstraße. Schon nach den ersten Minuten wurde deutlich: heute geht es um mehr, als nur um die Vergangenheit. Sally Perel gewann mit seiner offenen und warmherzigen Art schnell die Aufmerksamkeit der versammelten SchülerInnen, und seine Botschaft war deutlich: Schämt euch nicht für die politische Vergangenheit Deutschlands, aber lernt aus ihr und tragt diese besondere Geschichte weiter, damit so etwas nie wieder geschehen wird.

Zu Beginn der Veranstaltung, die den 93-Jährigen im Rahmen einer Lesereise noch weiter durch Deutschland führen wird, berichtet Perel über seine fast unglaublich erscheinende Geschichte. Als Sohn jüdischer Eltern erlebte er zwar bis zum achten Lebensjahr mehrere "glückliche Kinderjahre", allerdings musste er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit seinen Eltern und seinen Geschwistern nach Lodz fliehen.

"Du sollst leben!"

Mit packenden und ergreifenden Worten beschreibt Perel seine nächsten Erinnerungen, nämlichwie er seine Eltern zurücklassen musste, um eine Chance zum Überleben zu haben. Die letzten Sätze, die seine Eltern an ihn richteten, hätten ihn sein Leben lang begleitet und ihm geholfen, die Zeit im Dritten Reich und in der Hitlerjugend zu überstehen. Während sein Vater ihn ermahnte, immer daran zu denken, dass er Jude sei, beschwor ihn seine Mutter mit den Worten: "Du sollst leben!" Genau diese drei Worte hätten ihm die Kraft gegeben, seine wahre Identität zu verstecken, so Perel.

Sally Perel in der Aula
Sally Perel in der Aula des GSS

Nachdem er von den Deutschen bei Minsk im Jahr 1941 gefangen genommen war, leugnete Perel seine jüdische Herkunft und wurde unter dem Namen Josef, genannt "Jupp", in die Hitlerjugend aufgenommen. Die nächsten Schilderungen über seine Zeit in der Hitlerjugend haben jeden im Raum erschüttert, denn Perel berichtete, dass er, selbst als gläubiger Jude, anfing, seine Identität in Frage zu stellen und sich mit der Ideologie der Nationalsozialisten identifizierte.

"Nazi und Jude in einem Körper"

Bis zum heutigen Tag wären in seinem Körper zwei Seelen gefangen, so der 93-Jährige. Er war Nazi und Jude in einem Körper, und durch diese Ehrlichkeit ließ er die Aula vom ersten Satz seiner Erzählung an still werden. Keiner redete, keiner war abgelenkt und alle hörten gebannt und größtenteils auch geschockt den Erlebnissen von Perel zu. Während seiner Zeit in der Hitlerjugend habe er viel über die Ideologie der Nazis gelernt und jeder Tag war von Angst vor einer Entdeckung geprägt gewesen.

Nach Perels Erzählung über seine Jugend hatten die SchülerInnen noch die Gelegenheit, Fragen zu dem Verbleib seiner Familie und seinem weiteren Leben zu stellen, die der 93-Jährige alle ehrlich und ergreifend beantwortete.

"Geschichte als beste Lehrmeisterin"

Perel, der heutzutage in Israel lebt, sieht Deutschland immer noch als sein Mutterland an und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit so vielen deutschen Jugendlichen wie möglich in Kontakt zu treten und ihnen von den grausamen Taten der Nazis und von seiner Geschichte zu erzählen. Für ihn sei die Geschichte die beste Lehrmeisterin und sein Besuch solle von den Schülern als Auftrag an die Zukunft angesehen werden, denn er gibt den Schülern als Zeitzeuge so die Aufgabe, selbst aktiv zu werden und seine Geschichte zu verbreiten.

Und auch der laute Applaus und die vielen Schüler, die am Ende vor dem Rednerpult Schlange standen, um von Perel eine Signatur in einem Buch "Ich war Hitlerjunge Salomon" zu erhalten, bezeugen, wie eindrücklich und wie wichtig diese Veranstaltung war. Mit seiner Ehrlichkeit schaffte es Perel, seine Zuhörer in den Bann zu ziehen und die schockierende Wahrheit gleichzeitig mit einigen Witzen über die von ihm erlebten Geschehnisse in der Zeit des Dritten Reiches aufzulockern.

Artikel: Hannah Seifert