Romulus – ganz groß

Der „römische“ Literaturkurs des Gymnasiums Schwertstraße führte am 30 Juni 2011 die Tragikomödie „Romulus der Große“ nach Friedrich Dürrenmatt auf. Das Publikum erlebte ein mitreißendes Stück, in dem das Lachen nicht zu kurz kam, auch und gerade weil viele Aussagen einen ernsten Hintergrund hatten. Die Schauspieler wuchsen über sich hinaus und in ihre Charaktere hinein, der donnernde Schlussapplaus dankte es ihnen.

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Dürrenmatt: Romulus der Große

Plakat

476 nach Christus, Campanien. Romulus isst, schläft und züchtet Hühner.

Tripolis, Libyen, anno domini 2011. Muammar al-Gaddafi isst, schläft und –, zugegeben, ob er auch Hühner züchtet, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen.

Die einzige Gemeinsamkeit? Von außen betrachtet scheint sich der Vergleich zwischen Kaiser und Diktator durchaus anzubieten. Beide sind echte Dauerbrenner: Romulus regiert seit 20, Gaddafi sogar seit 42 Jahren. Nun, das Herrschaftsgebiet unseres Hauptdarstellers ist ungleich größer, aber auch er bekommt im Moment mächtig Ärger mit den Germanen, während gerade die Gaddafi in Ruhe lassen – dieser jedoch wird von Briten, Galliern und Amerikanern angegriffen. Beide scheinen sich nicht gerade um das Wohl ihres Volkes zu kümmern, Gaddafi greift es selbst an und Romulus ist anscheinend einfach zu faul, es zu beschützen.

Die beiden trennt nur eine simple Eigenschaft: Weitsichtigkeit. Während der Libyer mit dem Rücken zur Wand steht, verfolgt Romulus einen Plan, der sich in seiner ganzen Bedeutung und Dramatik erst im Finale offenbart. Doch dann muss auch Romulus einsehen: Ein großes Reich kann nicht unblutig geführt werden. Es wird sie immer geben, die eroberungssüchtigen Kriegsminister, die ehrgeizigen Ehefrauen, die bürokratischen Innenminister und dann erst diese verbissenen Patrioten...

Diese Parallele macht Dürrenmatts „Romulus der Große“,auch 62 Jahre nach seiner Uraufführung, noch brandaktuell. Gerade diese Tatsache hat uns überzeugt, das Stück zu spielen. Aber wir wollten es neu interpretieren, den Bezug zur Gegenwart noch deutlicher zu machen, ohne jedoch Dürrenmatts Werk zu verfremden.

Artikel: Herr Mergard